Zum zweitenmal absolvierten in diesem Schuljahr die 9.
Klassen ein fünftägiges Betriebspraktikum. Und obwohl auch diesmal
keine Verpflichtung dazu bestand, nahmen alle Schülerinnen und Schüler
der 9. Jahrgangsstufe daran teil und sie haben einer Umfrage zufolge diesen
Entschluss auch nicht bereut: 80 % antworteten auf eines entsprechende
Frage, das Praktikum habe sehr viel bzw. viel gebracht!
Dieses - zugegeben etwas pauschale - Urteil freut die
Organisatoren natürlich, es würde aber nicht ausreichen, um zu
rechtfertigen, dass fünf Unterrichtstage wegfallen. Was soll also
erreicht werden, wenn wir dieses Praktikum anbieten?
Zum Bildungsauftrag des Gymnasiums mit dem Ziel einer vertieften Allgemeinbildung gehört es auch, den Schülerinnen und Schülern konkrete Vorstellungen von der Arbeitswelt zu vermitteln. "Einblicke in die Bedingungen der modernen Arbeitswelt sollen den Schülern Gelegenheit geben ihre Interessen zu erkennen, und sie dazu anregen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln." (Lehrplan für das bayerische Gymnasium, KWMBl I So.-Nr. 3/1990, S. 204).
Dies geschieht schwerpunktmäßig im Fach Wirtschafts- und Rechtslehre. Hier werden im außerunterrichtlichen Bereich insbesondere durch Betriebserkundungen vielen Schülerinnen und Schülern erste Kontakte zu Unternehmen und ihren Arbeitsbedingungen ermöglicht oder durch Expertenvorträge praktische Bezüge zu den theoretischen Inhalten des Unterrichts hergestellt.
Aber auch vielen anderen Fächern bieten sich in fast allen Jahrgangsstufen Anknüpfungspunkte zu diesem Thema. In der 9. Jahrgangsstufe können im Fach Deutsch beispielsweise kommentierende Texte zu den Auswirkungen neuer Technologien besprochen werden. Oder im Fach Englisch steht die "Welt der Arbeit" in der Landeskunde auf dem Programm. Und nicht zuletzt gehören die Bereiche "Berufliche Orientierung" sowie "Mensch und Technik" zu den fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsaufgaben unserer Schulart.
Mit einem Betriebspraktikum können viele der angestrebten Lern- und Erziehungsziele auf ideale Weise vertieft werden. Schwerpunktmäßig werden folgende Ziele angestrebt:
Im Anschluss an das Praktikum findet eine nachbereitende Veranstaltung statt. In Gruppen - zusammengefasst werden Praktikanten, die in gleichen Branchen tätig waren - werden Erfahrungen ausgetauscht sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede festgestellt. Außerdem wird ein umfangreicher Fragebogen zur Auswertung und Beurteilung des Praktikums bearbeitet.
Unterstützung erhalten die Schüler nicht nur durch die Lehrer, auch die Eltern können mithelfen, das Praktikum erfolgreich zu gestalten. Hilfestellung beim Feststellen von Interessen und Neigungen sowie der Auswahl der möglichen Stellen kann ebenso sinnvoll sein wie eine Unterstützung bei der Bewerbung. Die positive Resonanz vieler Eltern zeigt ebenfalls, dass dieses Praktikum auch am Gymnasium sinnvoll und notwendig ist.
Bei den beiden Praktikumswochen, die bisher durchgeführt
wurden, haben 193 Schülerinnen und Schüler in 147 Betrieben Stellen
gefunden. Wir sind Wirtschaft, Verwaltung und sonstigen Institutionen für
die Bereitschaft, Praktikanten zu betreuen, sehr dankbar, denn wir wissen,
dass diese auch eine Belastung für den täglichen Arbeitsprozess
darstellen. Andererseits haben wir uns bei Besuchen während des Praktikums
auch über den guten Eindruck gefreut, den die Schülerinnen und
Schüler hinterlassen haben.