"Und na schreibst wos"

Erste Einblicke in das Journalisten-Leben

Von Georg König, 9b (Schuljahr 1997/98)

Tja, neunte Klasse Gymnasium bringt so einige Probleme mit sich. Neben der dritten Fremdsprache hat man auch die Gelegenheit, an einem Betriebspraktikum teilzunehmen. Ach, das ist kein Problem? Für mich war es zu Beginn schon eines, weil ich nicht so recht wusste, was das ist und wo ich das machen sollte.

Das Was war schnell geklärt: Eine Woche lang in einem Betrieb “mitarbeiten”. Nur in welchem? Der erste Einfall war ein Computerfachgeschäft. Allerdings sagte mir das dann - als ich dort fragte - doch nicht so besonders zu. Auf dem Nachhauseweg kam ich bei der Zeitung vorbei und... na ja, Fragen kostet nichts. Nach einer Wanderung  durch die Redaktionen kam ich dann endlich beim Chefredakteur raus. Dessen Meinung war: “Ja mei, kumst hoit moi!” Damit war auch die Wo-Frage geklärt.

Der Startschuss fiel am dritten Februar um viertel vor neun. Als erstes bekam ich eine Zeitung in die Hand gedrückt, mit der Aufforderung: “Schaug da a moi o, auf weacha Seitn wos schtäht.” Von mir aus. Gott sei Dank war schon um neun Redaktionskonferenz. Ab dem Zeitpunkt war immer was zu tun. Den Vormittag verbrachte ich mit Wolfgang, einem Journalisten, in der Sportredaktion. Da war vorerst Zuschauen angesagt. Während Wolfgang schrieb, erklärte er mir so die wichtigsten Dinge des Computersystems und des  Layouts. Der Wendepunkt war um zwölf erreicht: Während Wolfgang Mittagspause machte, sollte ich einen Artikel über ein Handballspiel vom letzten Wochenende schreiben: ”Ruaf de Frau Sowieso o und lass da an Schpuibericht gem. Und na schreibst wos. Bis hernach!” Also machte ich mich - mit mehr oder weniger Erfolg - an die Arbeit.

Auch am nächsten Tag bekam ich Gelegenheit, etwas zu schreiben; allerdings für die Kulturseite: Ein Artikel über eine (kleine) Vernissage in einem  Grafinger Versicherungsbüro. Am Mittwoch machten Tanja, eine Redakteurin, und ich eine Reportage im Ebersberger Gesundheitsamt. Danach drückte man mir ein paar Meldungen in die Hand, um diese zu kürzen oder zu verlängern, so dass sie in der restlichen Seite als Lückenfüller dienten.

Neuer Tag, neue Arbeit; am Donnerstag bekam ich den Auftrag, einen Bericht über die Hauptversammlung eines Sportvereins zu schreiben. Der Haken an der Sache war, ich sollte alleine(!) zu der Versammlung gehen und dann darüber etwas (Sinnvolles) aufs Papier bringen. “Gehst hoit hi, wennst lustig bist.” (O-Ton: Wolfgang). Das klappte ganz gut. Auch der Freitag war ein voller Erfolg, so dass das Ende viel zu früh kam. Um drei Uhr nachmittags war (leider) Feierabend.

Dennoch war es eine schöne und vor allem aufschlussreiche Woche. Herzlichen Dank an die Adresse von Frau Dreßel, Herrn Wittmann, alle anderen Helfer und die Betriebe, die es den neunten Klassen dieses Jahr wieder ermöglicht haben, einmal in die Berufswelt reinzuschnuppern.