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Gars/St. Petersburg. Die sollen
doch jetzt endlich gehen." Mit Tränen in den Augen schaut eine Schülerin
vom Check-In-Schalter des St. Petersburger-Flughafens hinaus zu ihrer russischen Gastgeberin:
Die Sicherheitszone darf nicht mehr verlassen werden und je länger die Wartezeit
dauert, umso schmerzlicher wird der Abschied. Draußen vor der Glasscheibe stehen
Schüler und Lehrer der Schule N 605 und winken, bis der letzte Gast aus Bayern
hinter der Zollkontrolle verschwunden ist. Die unbeschreibliche Gastfreundschaft der
russischen Familien hat auch beim vierten Besuch in Rußlands heimlicher Hauptstadt
zu innigen Freundschaften geführt und damit den großen Aufwand gerechtfertigt,
der mit diesem Schüleraustausch für Schüler, Lehrer und Eltern verbunden
ist.
Im Juli 2000 war eine russische Gruppe am Gymnasium zu Gast, in der letzten Woche der
diesjährigen Sommerferien starteten die Garser Schüler mit den Lehrkräften
Renate Höpler, Petra Hackl und Helmut Wittmann ihren Gegenbesuch. Schulleiterin
Valetnina Jegorowa und die beiden Betreuungslehrerinnen Nina Filonenko und Nelli Guschina
hatten ein umfangreiches Programm vorbereitet: Beim Besuch der Peter-und Paul-Festung,
des Peterhofs, des Winterpalastes oder der Blutkirche wurde die Pracht des Zarenreiches
deutlich. Auf dem Panzerkreuzer Aurora wurde an die Bolschewiken-Revolution 1917 unter
Lenin und Trotzkij erinnert, auf dem Friedhof Piskarjow" gedachte man der
Opfer bei der Blockade St. Petersburgs durch die Truppen Hitlers und aller Gefallenen
der beiden Weltkriege. Der Staatszirkus begeisterte mit artistischen Höchstleistungen
und beim Ballett-Abend im Mussorgskij-Theater oder der Aufführung des Verdi-Requiems
in der Philharmonie erlebte man russische Hochkultur der Gegenwart. Eine gewisse Scheu
vor der fremden Umgebung - selbst U-Bahn-Schilder waren anfangs wegen der kyrillischen
Schriftzeichen unlösbare Rätsel - wurde durch die russischen Gastgeber schnell
abgebaut und deren beeindruckende Deutschkenntnisse erleichterten das Zusammenleben.
Die Leiterin der deutschen Gruppe, Renate Höpler, dankte beim Freundschaftsabend
in der Schule den Verantwortlichen für die liebevolle Zusammenstellung eines
interessanten Programms". Sie betonte aber auch, das Wichtigste bei unserer
Schulpartnerschaft ist die mitmenschliche Begegnung. Wie wir bei unseren gegenseitigen
Besuchen immer wieder feststellen konnten, werden die am Anfang vielleicht vorhandenen
Berührungsängste zwischen jungen Menschen aus so unterschiedlichen Lebensverhältnissen
und Erfahrungswelten schnell abgebaut und es entstehen gute zwischenmenschliche Kontakte,
manchmal sogar Freundschaften. Diese Kontakte unserer Jugend leisten einen kleinen,
aber wichtigen Beitrag beim Zusammenwachsen unserer beiden Länder, beim Zusammenwachsen
Europas." Die russische Schulleiterin Valentina Jegorowa, die bereits viermal
in Gars zu Gast zu war, freute sich besonders über den Gegenbesuch des ehemaligen
Garser Schulleiters Friedrich Gutbier, der die Partnerschaft ins Leben gerufen und
bis zum Ende seiner Amtszeit immer aktiv unterstützt hat.
(Helmut Wittmann)
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