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Garser in St. Petersburg

Als am Ende des letzten Schuljahres, genauer gesagt: am 15. Juli 1992, 21 Schüler und Schülerinnen sowie drei Begleitpersonen aus St. Petersburg kurz nach Mitternacht am Bahnhof in Ampfmg ankamen, erschöpft und noch gezeichnet von der fast dreitägigen Zugfahrt, aber dennoch froh, endlich am Ziel zu sein, wurden sie von ihren Partnerschülern und deren Eltern herzlich, auch neugierig und erwartungsvoll in Empfang genommen.

Am folgenden Tag fand dann in der Aula des Gymnasiums die offizielle Begrüßung statt. OStD Gutbier nannte es in seiner Ansprache eine glückliche Fügung, daß sich Schüler, die in so unterschiedlichen Welten groß geworden sind, heute treffen können. Wir sollten, so meinte er weiter, dankbar sein, daß nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges und den Jahren des Kalten Krieges eine neue Zeit angebrochen sei, die solche Begegnungen zulasse. In ihrer Entgegnung bedankte sich die Direktorin der St. Petersburger Schule, Frau Valentina Jegorowa, für die gastfreundliche Aufnahme und erinnerte an Zeiten, in denen Deutschland und Rußland freundschaftliche Beziehungen miteinander pflegten. Sie mahnte zugleich, die unheilvolle Vergangenheit zurückzulassen und den Blick nach vorne zu richten.

In den kommenden zwei Wochen wurde den russischen Gästen ein umfangreiches Programm angeboten. Den ersten Eindruck von der Schönheit unserer Heimat konnten sie am darauffolgenden Freitag bei einer Bergwanderung in den Chiemgauer Alpen erhalten. Dann folgte eine Fahrt nach Burghausen, Altötting und Mühldorf. Als Höhepunkt erwies sich ein Besuch der bayerischen Landeshauptstadt München, bei dem die Alte Pinakothek, das Schloß Nymphenburg, das Deutsche Museum und die Fußgängerzone angesteuert wurden. Erstaunlich, wie wißbegierig und interessiert sich die Gäste die Sehenswürdigkeiten erklären ließen. Außerdem wurden in den folgenden Tagen mit den jeweiligen Gastfamüien noch zahlreiche Ausflüge in die nähere Umgebung unternommen. So verging - wie immer bei programmintensiven Veranstaltungen - die Zeit wie im Flug Interessant auch zu beobachten, wie schnell sich die russischen und deutschen Schüler nach anfänglicher Scheu vor dem Ungewohnten angefreundet haben.

Ich glaube, daß sich die Gäste bei uns sehr wohlgefühlt haben, auch wenn sich bei dem einen oder anderen manchmal ein leises Heimweh eingeschlichen hat. So ist es nur verständlich, daß ein Schüler auf die Frage einer Reporterin, ob er denn für immer hierbleiben möchte, entschieden widersprochen hat: "St. Petersburg ist halt unsere Heimat, auch wenn eine graue 5-Millionenstadt nicht mit einer liebenswerten kleinen Ortschaft in Deutschland konkurrieren kann".

Bevor die Gäste ihre lange Heimreise antraten, wurde noch eine kleine Abschiedsfeier veranstaltet, in der Gäste und Gastgeber bis spät in die Nacht über ihre Erfahrungen und Eindrücke plaudern konnten.

Im Juni dieses Jahres steht nun der Gegenbesuch in St. Petersburg an. Sicher werden wir in der weltberühmten Stadt Unvergleichliches zu sehen bekommen. Unsere russische Partnerschule hat uns schon ein umfangreiches und äußerst interessantes Programmangebot übermittelt: Stadtrundfahrt und Schiffsexkursionen auf Kanälen und Flüssen St. Petersburgs, Newskij Prospekt, Peter-Paul-Festung, Theater/Konzertabend, Eremitage, Isaakskathedrale, Peterhof, Ostsee, "Weiße Sommernacht", dazu auch Veranstaltungen in der Schule. Wir dürfen uns jetzt schon freuen und gespannt sein auf das, was uns erwartet. Daneben hoffe ich, daß wir auch Gelegenheit haben werden, den russischen Alltag kennenzulernen, daß unsere Partnerschaft mit der russischen Schule vertieft wird, daß wir schließlich, um viele Erfahrungen reicher, wieder glücklich und gesund nach Gars zurückkehren können.
Lassen wir uns nach St. Petersburg einladen auch von Alexander Puschkin (1799 - 1837), der in einem Gedicht Peter den Großen über die Stadt sprechen läßt:

"Hier hatte die Natur im Sinn
Ein Fenster nach Europa hin,
Ich brech' es in des Reiches Feste;
Froh werden alle Flaggen wehn
Auf diesen Fluten, nie gesehn
Uns bringend fremdländische Gäste ".
(A. Puschkin, Der eherne Reiter, 1833)

(Franz Kriha)

Kurz vor Redaktionsschluß des Jahresberichts kehrte die Gruppe wohlbehalten zurück. Die o.a. Hoffnungen wurden bei weitem übertroffen.

Ein Teil des umfangreichen Besichtigungsprogramms: Die Blut- oder Erlöserkirche in St. Petersburg (Foto: Angelika Müller, Repro aus dem Jahresbericht)

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